Tampon, Tasse, Periodenunterwäsche: Was Frauenärztinnen und -ärzte empfehlen – BVF zum Internationalen Tag der Menstruationshygiene

Tampon, Binde, Menstruationstasse, -schwamm oder Periodenunterwäsche – die Auswahl an Menstruationshygieneprodukten ist groß. Für menstruierende Frauen bedeutet das, flexibel und an ihre Bedürfnisse angepasst wählen zu können. Gleichzeitig herrscht teilweise Unsicherheit, wie einzelne Produkte hinsichtlich Gesundheit und Komfort zu bewerten sind.  Zum Welttag der Menstruationshygiene am 28. Mai ordnet der Berufsverband der Frauenärztinnen und Frauenärzte (BVF) die wichtigsten Produkte medizinisch ein und klärt hinsichtlich verbreiteter Mythen im Alltag auf.

„Grundsätzlich gilt: Jede Frau und jedes Mädchen sollte das Periodenprodukt wählen, mit dem sie sich am wohlsten fühlt. Für eine gute Menstruationshygiene ist es zentral, Binden, Tampons und Co. regelmäßig und mit gewaschenen Händen zu wechseln. Wiederverwendbare Produkte wie Menstruationstassen oder Periodenunterwäsche sollten zudem gründlich ausgespült und ausgekocht beziehungsweise bei hoher Temperatur gewaschen werden. So lässt sich das Risiko für Infektionen und Reizungen im Intimbereich sowie für das seltene, aber ernst zu nehmende toxische Schocksyndrom (TSS) wirksam verringern“, sagt Dr. Stephanie Eder, niedergelassene Frauenärztin in Gräfelfing bei München. 

Das toxische Schocksyndrom (TSS) ist eine extreme seltene und plötzlich auftretende Erkrankung, die entsteht, wenn bestimmte Bakterien (in der Regel Staphylococcus aureus) Giftstoffe, sog. Toxine, bilden, die eine Überreaktion des Immunsystems auslösen. Diese Überreaktion kann Organe schädigen und unbehandelt entsprechend schwerwiegende Folgen haben. (1) Fälschlicherweise wird TSS oft mit Tampons in Verbindung gebracht. Zwar kann es im Zusammenhang mit Tassen, Tampons oder Schwämmchen auftreten, die Bakterien können aber genauso über andere Wege in den Körper gelangen und deshalb können auch Kinder und Männer davon betroffen sein.

Die allermeisten Periodenprodukte sind bei richtiger Anwendung gesundheitlich unbedenklich. Für Frauen und Mädchen stehen neben gesundheitlichen Aspekten vor allem Komfort, Handhabung, Kosten und Umweltaspekte im Vordergrund.

Binden und Tampons: Bewährt – mit kleinen Einschränkungen

Binden sind einfach zu verwenden, bieten guten Schutz und schonen die Schleimhaut. Schwimmen oder Saunieren ist mit Binde allerdings nicht möglich und manche Frauen empfinden das Tragegefühl als störend. Beliebter sind deshalb oft Tampons. Diese sind aus medizinischer Sicht unbedenklich, können aber unter Umständen bei manchen Frauen die Schleimhäute reizen. Berichte über Pestizide und Schwermetalle in Tampons haben in der Vergangenheit für Unsicherheit gesorgt. Laut Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) ist die Belastung jedoch so gering, dass keine gesundheitliche Gefahr von ihr ausgeht. (2) Um Infektionen zu vermeiden, sollte man sowohl Binden als auch Tampons alle vier bis sechs Stunden, mindestens aber alle acht Stunden wechseln. Da es sich um Einmalprodukte handelt, entsteht bei der Nutzung vergleichsweise viel Müll, zudem können auf Dauer hohe Kosten anfallen.

Menstruationstasse und -scheibe: Nachhaltig und kosteneffizient

Die wiederverwendbare Menstruationstasse wird immer häufiger als nachhaltige Alternative zu Tampons genutzt. Sie gilt bei richtiger Anwendung als sicher und kosteneffizient, kann jedoch bei Frauen mit einer Spirale in seltenen Fällen deren Sitz beeinflussen oder sie lösen. (3) Die Tasse fängt das Menstruationsblut im Körper auf, wird, wenn sie voll ist, geleert, gründlich mit Wasser ausgespült und wieder eingesetzt. Spätestens am Ende der Periode sollte sie ausgekocht werden.

Die Menstruationsscheibe ist eine Variante der Tasse, die besonders viel Flüssigkeit auffängt. Sie eignet sich deshalb besonders gut für Frauen mit starker Blutung. (4) Die Scheibe umschließt den Gebärmutterhals, ohne dass ein Unterdruck nötig ist. Zum Entleeren muss sie nicht entfernt werden, ein leichtes Anheben mit den Fingern oder den Beckenbodenmuskeln auf der Toilette genügt. Sowohl Tasse als auch Scheibe sollten spätestens nach acht Stunden einmal ausgespült werden. Die Produkte bestehen meist aus medizinischem Silikon und sind in verschiedenen Größen verfügbar.

Periodenunterwäsche: Auf die Inhaltsstoffe achten

Eine nachhaltige Alternative zur Binde ist Periodenunterwäsche. Dabei handelt es sich um wiederverwendbare mehrlagige Slips, die das Periodenblut aufnehmen. Beim Kauf sollte man darauf achten, dass keine Biozide wie etwa Silberchlorid in der Saugschicht enthalten sind. Diese sollen unangenehmen Gerüche vermeiden. Mögliche gesundheitliche Auswirkungen sind allerdings noch nicht abschließend geklärt. Die Unterwäsche sollte mindestens alle acht bis zehn Stunden gewechselt und nach dem Auswaschen des Periodenblutes per Hand bei 60 °C in der Maschine gewaschen werden, um alle Bakterien abzutöten. (2)

Menstruationsschwämme meiden und lieber zu Soft-Tampons greifen 

Naturschwämme werden aus bestimmten Meeresschwämmen hergestellt und gelegentlich als wiederverwendbares Menstruationsprodukt beworben. Auch wenn sie nachhaltig erscheinen, sind sie aus medizinischer Sicht nicht zu empfehlen. Die Schwämme sind stark porös und lassen sich nicht zuverlässig keimfrei reinigen. Soft-Tampons stellen die künstliche Einmal-Alternative zu Menstruationsschwämmen dar. Sie gelten als hygienischer, können beim Entfernen eine Herausforderung sein. Manche Frauen empfinden Soft-Tampons aber insbesondere bei Regelschmerzen oder Endometriose als angenehme Option.

„Im Durchschnitt menstruiert eine Frau rund 500-mal in ihrem Leben – und steht dabei potenziell ebenso oft vor der Frage, welches Menstruationsprodukt für sie das richtige ist. Die Periode ist ein zentraler Teil der reproduktiven Gesundheit und heute zum Glück kein Tabuthema mehr. Gleichzeitig sorgen Social Media und eine Flut teils widersprüchlicher Informationen für Verunsicherung. Umso wichtiger ist die fundierte frauenärztliche Einordnung, um Mythen von wissenschaftlich gesicherten Erkenntnissen zu trennen und Frauen und Mädchen eine informierte, selbstbestimmte Wahl zu ermöglichen“, betont Dr. med. Stephanie Eder.

Zum Weltmenstruationstag am 28.5.

Der 28.5. als Weltmenstruationstag wurde 2014 von der deutschen Nichtregierungsorganisation WASH United ins Leben gerufen, um auf die Bedeutung der Menstruationshygiene und Herausforderungen in diesem Kontext aufmerksam zu machen. Dabei ist das Datum 28.5. kein Zufall: Ein Menstruationszyklus dauert im Durchschnitt 28 und die Menstruation 5 Tage.

Quellen und weitere Informationen:

(1) Robert Koch-Institut zum Toxischen Schocksyndrom
(2) In der Regel unbedenklich: Potenzielle Risiken von Periodenprodukten
(3) Brown et al. 2024, Menstrual cup use and intrauterine device expulsion in a copper intrauterine device randomized trial, Contraception
(4) DeLoughery E, Colwill AC, Edelman A, Samuelson Bannow B. Red blood cell capacity of modern menstrual products: considerations for assessing heavy menstrual bleeding, BMJ Sexual & Reproductive Health
(5) Webseite Internationaler Tag der Menstruationshygiene

Quelle: Berufsverband der Frauenärzte (BVF)